Umgebungslärmrichtlinie

Die Richtlinie zum Umgebungslärm (2002/49/EG) des Europäischen Parlaments und des Rates trat zum 18. Juli 2002 in Kraft. Darin wurde die Erstellung eines Konzeptes zur Minderung der Belastung des Menschen durch unerwünschte Schalleinwirkung im Freien („Umgebungslärm“) formuliert. Der Bestandsaufnahme der Schallimmissionen folgte die Analyse der betroffenen Anwohner/innen mit einhergehender Diskussion über mögliche Minderungsmaßnahmen, sowie, nach Prüfung der Vorschläge aus der Bürgerpartizipation, die Maßnahmen-Realisierung. Dies sind folgende Arbeitsschritte:

Aufgrund der differenten Belastungssituation in Städten oder an Verkehrswegen wurde ein zweistufiges Verfahren konzipiert. Dabei galt die Erstellung von strategischen Lärmkarten bis zum 30.06.2007 für folgende Gebiete:

  • Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern
  • Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 6 Mio. Fahrzeugen pro Jahr
  • Haupteisenbahnstrecken mit mehr als 60.000 Zügen pro Jahr
  • Großflughäfen mit mehr als 50.000 Flugbewegungen pro Jahr

Aus der Analyse der Lärmkartierungen waren die Städte und Kommunen aufgefordert bis zum 18.07.2008 Aktionspläne zu entwickeln.

In der zweiten Stufe wurde zusätzlich

  • für Ballungsgebiete mit mehr als 100.000 Einwohnern
  • für Verkehrsstraßen mit mehr als 3 Mio. Fahrzeuge pro Jahr
  • für Eisenbahnstrecken mit mehr als 30.000 Züge pro Jahr

gefordert, strategische Lärmkarten bis zum 30.06.2012 und Lärmaktionspläne bis zum 18.07.2013 auszuarbeiten.

Die Zuständigkeit obliegt den Gemeinden oder den Behörden nach Landesrecht (BImSchG §47e), hingegen ist das Eisenbahnbundesamt (EBA) alleinig für die Kartierung der Haupteisenbahnstrecken zuständig.

Die Einbindung der Öffentlichkeit über den gesamten Entwicklungsprozess wurde als maßgeblicher Bestandteil des Verfahrens geplant. Dazu waren die Behörden aufgerufen, die Ergebnisse der Schallbelastung nach der Lärmkartierung offenzulegen, über Maßnahmenentwürfe zu informieren, und den Bürgerinnen und Bürgern die Partizipation an der Lärmaktionsplanung zu ermöglichen. Letzteres sollte u. a. über  Diskussionsforen, Bürgerbefragungen oder die Möglichkeit des Einspruches und der Stellungnahme zu geplanten Maßnahmen verwirklicht werden.

Das für Ihre Stadt verantwortliche Amt und die bisher durchgeführten Analysen und Maßnahmen finden Sie unter dem Punkt Was tut meine Stadt?

Was sind strategische Lärmkarten?

Lärmkarten sind Stadtpläne oder Landkarten mit Straßen, Häusern, Bahnlinien, Flughäfen etc., die zusätzliche Informationen über die vorzufindende Geräuschbelastung der Orte beinhaltet. Die Schallbelastungswerte sind darin farblich kodiert. Relativ geringe Schalldruckpegel werden in Grün oder Gelb abgebildet, höhere Pegel dagegen werden in Rot bis Blau/Violett veranschaulicht. Weiße bzw. nicht eingefärbte Gebiete deuten auf vernachlässigbare Geräuschbelastungen oder z. B. aufgrund von geringeren Verkehrsmengen auf einen nichtkartierten Bereich hin.

Die in den Karten eingetragenen Geräuschbelastungen sind nicht gemessen, sondern errechnet worden. Für die Berechnungen werden kommerzielle Software-Pakete verwendet, die standardisierte Berechnungsmethoden einsetzen. Für die verschiedenen Schallquellen, wie z. B. Straßenverkehr, Schienenverkehr oder Flugverkehr existieren unterschiedliche Berechnungsverfahren, die in Regelwerken wie DIN-Normen (bzw. ISO-Normen) festgelegt sind. Die auftretende Verkehrsmenge, z. B. als Anzahl Pkw/Lkw pro Tag, Geländedaten oder die bauliche Situation werden als variable Eingangsdaten berücksichtigt. Somit wird z. B. die abschirmende Wirkung durch Lärmschutzwände oder Häuser in die Berechnung mit einbezogen.

Die in den Lärmkarten dargestellten berechneten Schallpegel werden als Schalldruckpegel in dB(A) angegeben. Die Berechnungen werden für den 24-Stunden-Wert LDEN (Day-Evening-Night /„Tag-Abend-Nacht“) und für den Nachtwert LNight durchgeführt.

Üblicherweise werden die berechneten Geräuschpegel getrennt nach Art der Schallquellen dargestellt, also z. B. nur für Straßenverkehr, nur für Flugverkehr oder nur für Schienenverkehr. Bei einigen Gemeinden existieren aber auch Lärmkarten für Industrie- und Gewerbelärm.

Unter dem Punkt Was tut meine Stadt? finden Sie u. a. Links zu den zuständigen Behörden und zu den strategischen Lärmkarten. Die Lärmkarten selbst sind nicht auf der "Tag-gegen-Lärm"-Webseite vorhanden, weil diese z. T. in einem speziellen, nicht allgemein nutzbaren Format abgelegt sind. Einige der strategischen Lärmkarten sind interaktiv, so dass man hineinzoomen oder direkt Straßennamen eingeben kann. Durch die Verlinkung auf die jeweiligen Webseiten haben Sie den Vorteil, dass Sie immer auf die aktuellen Informationen der Behörden zugreifen. Weiterhin sind bei den zuständigen Behörden Daten über Verkehrsmengen, Schadstoffbelastungen und viele andere statistische Werte vorhanden.

Was ist ein Lärmaktionsplan?

Die errechneten Geräuschpegel aus den strategischen Lärmkarten werden als Entscheidungskriterium verwendet, ob ein Aktionsplan erstellt wird oder nicht. Die Auslöseschwellen bestimmen die Bundesländer individuell, dies sind einige Verfahren:

  • Stufenkonzepte priorisieren Gebiete nach Schallbelastung  
    1. Stufe: LDEN > 70 dB(A)/ LNight >60 dB(A), 2. Stufe: LDEN > 65 dB(A)/ LNight >55 dB(A) (z. B. Berlin und Hamburg)

  • Auslösewerte an schutzwürdigen Gebäuden bzw. im Diskurs mit Betroffenen
    LDEN > 70 dB(A)/ LNight >60 dB(A) (z. B. Nordrhein-Westfalen und Bayern)

  • Auslöseschwerte von LDEN > 65 dB(A)/ LNight >55 dB(A) nach Vorprüfung (z. B. Brandenburg, Sachsen)

  • Lärmaktionsplanung grundsätzlich für alle kartierten Quellen (z. B. Saarland, Schleswig-Holstein)

Für die Erstellung eines Lärmaktionsplanes ist nur die Überschreitung einer der Auslösewerte notwendig. Einige Bundesländer gehen flexibel mit den Auslösekriterien um, und empfehlen eine Lärmaktionsplanung auch bei Unterschreitung des Auslösewertes, sobald Bürgerinnen und Bürger betroffen sind. Im Gegenzug dazu kann bei fehlender Betroffenheit auch bei Überschreitung eines Auslösekriteriums von Maßnahmen abgesehen werden.

Die Ausgestaltung der Aktionspläne kann sehr vielfältig sein. Lärmarme Straßenbeläge, Verkehrslenkungen (Verlagerungen von Schwerlastverkehr auf wenig bewohnte Gebiete, Verkehrskonzentrationen auf Hauptverkehrswege), Tempolimits oder auch eine Reduzierung der Fahrbahnen bzw. Fahrbahnbreiten von Straßen, sowie andere Maßnahmen werden häufig diskutiert. Dabei müssen aber natürlich auch Randbedingungen wie z. B. knappe Haushaltskassen berücksichtigt werden. Im Rahmen von Foren zur Lärmminderungsplanung wird die Öffentlichkeit an der Aktionsplanung beteiligt. Dort diskutieren z. B. Planer/innen, Behördenvertreter/innen, Anwohner/innen und Vertreter/innen von Verbänden (Umweltverbände, Verkehrsverbände) gemeinsam über konkrete Maßnahmen in den lärmbelasteten Gebieten.

Unter dem Menüpunkt Was tut meine Stadt? finden Sie die Verlinkung zum aktuellen Entwicklungsstand des Lärmaktionsplanes Ihrer Stadt.

Weiterführende Informationen:

Weitere Informationen zur EU Umgebungslärmrichtlinie finden Sie z. B. auf den Webseiten des Umweltbundesamtes unter www.umweltbundesamt.de/laermprobleme/ulr.html.

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